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Therīgāthā 16.1 Strophen der altehrwürdigen Nonnen 16.1
Mahānipāta Das große Buch
Sumedhātherīgāthā Sumedhā
Mantāvatiyā nagare, In der Stadt Mantāvatī wurde Sumedhā,
Rañño koñcassa aggamahesiyā; Tochter der Hauptkönigin des Königs Koñca,
Dhītā āsiṁ sumedhā, bekehrt von denen,
Pasāditā sāsanakarehi. die die Lehre des Buddha üben.
Sīlavatī cittakathā, Sie war sittlich, eine geistvolle Rednerin,
Bahussutā buddhasāsane vinitā; gelehrt und in der Anleitung des Buddha geschult.
Mātāpitaro upagamma, Sie ging zu Mutter und Vater und sagte:
Bhaṇati “ubhayo nisāmetha. „Gebt acht, ihr beiden!
Nibbānābhiratāhaṁ, Ich erfreue mich am Erlöschen!
Asassataṁ bhavagataṁ yadipi dibbaṁ; Kein Leben ist ewig, nicht einmal das der Götter;
Kimaṅgaṁ pana tucchā kāmā, was sollen da Sinnenfreuden, so hohl;
Appassādā bahuvighātā. sie bieten wenig Erfüllung und große Qual.
Kāmā kaṭukā āsī, Sinnenfreuden sind bitter wie das Gift einer Schlange,
Visūpamā yesu mucchitā bālā; und doch sind Toren von ihnen betört.
Te dīgharattaṁ niraye, Wenn sie für eine sehr lange Zeit in die Hölle kommen,
Samappitā haññante dukkhitā. werden sie geschlagen und gequält.
Socanti pāpakammā, Die an Bosheit wachsen,
Vinipāte pāpavaddhino sadā; sind wegen ihrer schlechten Taten stets bekümmert in der Unterwelt.
Kāyena ca vācāya ca, Mit dem Körper, der Sprache
Manasā ca asaṁvutā bālā. und dem Geist sind sie nicht gezügelt, die Toren.
Bālā te duppaññā, Diese geistlosen, närrischen Toren,
Acetanā dukkhasamudayoruddhā; vom Ursprung des Leidens eingefangen,
Desente ajānantā, sind unwissend, verstehen die vier edlen Wahrheiten nicht,
Na bujjhare ariyasaccāni. wenn sie gelehrt werden.
Saccāni amma buddhavaradesitāni, Die meisten Menschen, Mama, kennen die Wahrheiten nicht,
Te bahutarā ajānantā ye; die vom vortrefflichen Buddha gelehrt wurden,
Abhinandanti bhavagataṁ, und freuen sich auf das nächste Leben,
Pihenti devesu upapattiṁ. sehnen sich nach Wiedergeburt unter den Göttern.
Devesupi upapatti, Doch selbst Wiedergeburt bei den Göttern,
Asassatā bhavagate aniccamhi; in einem unbeständigen Zustand, ist zeitlich.
Na ca santasanti bālā, Doch Toren fürchten sich nicht davor,
Punappunaṁ jāyitabbassa. wieder und wieder geboren zu werden.
Cattāro vinipātā, Vier niedere Bereiche und zwei weitere
Duve ca gatiyo kathañci labbhanti; kann man vielleicht irgendwie erlangen.
Na ca vinipātagatānaṁ, Doch wenn man in einen niederen Bereich gekommen ist,
Pabbajjā atthi nirayesu. gibt es kein Fortziehen in der Hölle.
Anujānātha maṁ ubhayo, Bitte, ihr beiden, gebt mir die Erlaubnis zum Fortzuziehen
Pabbajituṁ dasabalassa pāvacane; im Lehrsystem dessen, der die zehn Kräfte besitzt.
Appossukkā ghaṭissaṁ, Ich werde unbeschwert leben und mich bemühen,
Jātimaraṇappahānāya. Wiedergeburt und Tod aufzugeben.
Kiṁ bhavagate abhinanditena, Was soll ich mit Hoffnung, mit einem neuen Leben
Kāyakalinā asārena; in diesem nutzlosen, hohlen Körper?
Bhavataṇhāya nirodhā, Gebt mir die Erlaubnis, ich will fortziehen,
Anujānātha pabbajissāmi. um dem Verlangen nach einem neuen Leben ein Ende zu machen.
Buddhānaṁ uppādo vivajjito, Ein Buddha ist erschienen, die Zeit ist gekommen,
Akkhaṇo khaṇo laddho; der widrige Augenblick ist vorbei.
Sīlāni brahmacariyaṁ, Solange ich lebe, werde ich nie
Yāvajīvaṁ na dūseyyaṁ”. meine sittlichen Regeln oder meinen keuschen Pfad verraten.“
Evaṁ bhaṇati sumedhā, Dann sagte Sumedhā zu ihren Eltern:
Mātāpitaro “na tāva āhāraṁ; „Solange ich im Haus lebe,
Āharissaṁ gahaṭṭhā, werde ich keine Nahrung zu mir nehmen,
Maraṇavasaṁ gatāva hessāmi”. bis ich dem Tod verfallen bin.“
Mātā dukkhitā rodati pitā ca, Die Mutter war aufgebracht und brach in Tränen aus,
Assā sabbaso samabhihato; der Vater, auch er bekümmert,
Ghaṭenti saññāpetuṁ, versuchte alles, sie zu überreden,
Pāsādatale chamāpatitaṁ. während sie zusammengebrochen im Obergeschoss lag.
“Uṭṭhehi puttaka kiṁ soci, „Steh auf, Kind, warum betrübst du dich so?
Tena dinnāsi vāraṇavatimhi; Du bist schon zur Ehe versprochen!
Rājā anīkaratto, König Anīkaratta, der Schöne,
Abhirūpo tassa tvaṁ dinnā. ist in Vāraṇavatī: Er ist dein Verlobter.
Aggamahesī bhavissasi, Du wirst die Hauptkönigin sein,
Anikarattassa rājino bhariyā; die Frau des Königs Anīkaratta.
Sīlāni brahmacariyaṁ, Sittliche Regeln, der keusche Pfad –
Pabbajjā dukkarā puttaka. das Fortziehen ist schwer zu bewältigen, mein Kind.
Rajje āṇā dhanamissariyaṁ, Mit dem Thron gewinnst du Befehlsgewalt, Reichtum, Herrschaft
Bhogā sukhā daharikāsi; und das Glück des Besitzes.
Bhuñjāhi kāmabhoge, Genieße Sinnenfreuden, solange du noch jung bist!
Vāreyyaṁ hotu te putta”. Lass deine Hochzeit stattfinden, mein Kind!“
Atha ne bhaṇati sumedhā, Darauf sagte Sumedhā zu ihm:
“Mā edisikāni bhavagatamasāraṁ; „Lass das nicht geschehen! Das Dasein ist hohl!
Pabbajjā vā hohiti, Ich will fortziehen oder sterben,
Maraṇaṁ vā me na ceva vāreyyaṁ. aber heiraten werde ich niemals.
Kimiva pūtikāyamasuciṁ, Warum sollte ich mich an diesen verwesenden, faulen Körper hängen,
Savanagandhaṁ bhayānakaṁ kuṇapaṁ; der von Körpersäften stinkt,
Abhisaṁviseyyaṁ bhastaṁ, ein entsetzlicher Wassersack-Kadaver,
Asakiṁ paggharitaṁ asucipuṇṇaṁ. mit Unrat gefüllt, aus dem es stets herausquillt?
Kimiva tahaṁ jānantī, Wozu das alles, wenn man das erkennt so wie ich?
Vikūlakaṁ maṁsasoṇitupalittaṁ; Ein Kadaver ist widerlich, mit Fleisch und Blut beschmiert,
Kimikulālayaṁ sakuṇabhattaṁ, Fraß für Vögel und Würmerhaufen –
Kaḷevaraṁ kissa diyyati. Warum wurde uns das gegeben?
Nibbuyhati susānaṁ, Nicht lange, und der Körper wird, des Bewusstseins beraubt,
Aciraṁ kāyo apetaviññāṇo; zum Leichenfeld getragen,
Chuddho kaḷiṅgaraṁ viya, wo er von den Verwandten voller Ekel weggeworfen wird
Jigucchamānehi ñātīhi. wie ein alter Baumstamm.
Chuddhūna naṁ susāne, Wenn sie ihn auf das Leichenfeld geworfen haben,
Parabhattaṁ nhāyanti jigucchantā; wo er von andern gefressen wird,
Niyakā mātāpitaro, baden sich voller Ekel deine eigenen Eltern,
Kiṁ pana sādhāraṇā janatā. wie erst die unbeteiligte Menge?
Ajjhositā asāre, Sie hängen sich an diesen Kadaver ohne Kern,
Kaḷevare aṭṭhinhārusaṅghāte; diese Masse von Sehnen und Knochen,
Kheḷassuccārassava, den verfaulenden Körper,
Paripuṇṇe pūtikāyamhi. voller Speichel, Tränen, Kot und Eiter.
Yo naṁ vinibbhujitvā, Wenn jemand ihn zerlegen würde,
Abbhantaramassa bāhiraṁ kayirā; das Innere nach außen kehren,
Gandhassa asahamānā, würde der unerträgliche Gestank
Sakāpi mātā jiguccheyya. selbst die eigene Mutter anwidern.
Khandhadhātuāyatanaṁ, Die Aggregate, Elemente und Sinnesfelder
Saṅkhataṁ jātimūlakaṁ dukkhaṁ; untersuche ich gründlich:
Yoniso anuvicinantī, Sie sind bedingt, wurzeln in Geburt, sind Leiden –
Vāreyyaṁ kissa iccheyyaṁ. warum sollte ich zu heiraten wünschen?
Divase divase tisatti, Selbst wenn dreihundert scharfe Schwerter
Satāni navanavā pateyyuṁ kāyamhi; Tag für Tag auf meinen Körper fielen,
Vassasatampi ca ghāto, und selbst wenn das Gemetzel hundert Jahre dauerte,
Seyyo dukkhassa cevaṁ khayo. würde es sich lohnen, wenn es zum Ende des Leidens führte.
Ajjhupagacche ghātaṁ, Wer die Worte des Lehrers versteht,
Yo viññāyevaṁ satthuno vacanaṁ; nähme das Gemetzel in Kauf:
‘Dīgho tesaṁ saṁsāro, ‚Lang ist das Umherwandern für dich,
Punappunaṁ haññamānānaṁ’. wieder und wieder wirst du getötet.‘
Devesu manussesu ca, Unter Göttern und Menschen,
Tiracchānayoniyā asurakāye; im Reich der Tiere und dem der Titanen,
Petesu ca nirayesu ca, unter Gespenstern oder in den Höllen
Aparimitā dissare ghātā. sieht man endloses Töten.
Ghātā nirayesu bahū, Die Höllen sind voll mit Töten
Vinipātagatassa pīḷiyamānassa; für die Unlauteren, die in die Unterwelt gefallen sind.
Devesupi attāṇaṁ, Selbst bei den Göttern gibt es keinen Schutz,
Nibbānasukhā paraṁ natthi. denn kein Glück übertrifft das Erlöschen.
Pattā te nibbānaṁ, Er, der die zehn Kräfte besitzt – die sich seinem Lehrsystem geweiht haben,
Ye yuttā dasabalassa pāvacane; erlangen das Erlöschen.
Appossukkā ghaṭenti, Sie leben unbeschwert und bemühen sich,
Jātimaraṇappahānāya. Wiedergeburt und Tod aufzugeben.
Ajjeva tātabhinikkha- Noch an diesem Tag, Papa, will ich entsagen:
Missaṁ bhogehi kiṁ asārehi; Was gibt es an hohlem Reichtum zu genießen?
Nibbinnā me kāmā, Von Sinnenfreuden bin ich ernüchtert,
Vantasamā tālavatthukatā”. wie Erbrochenes sind sie, sind wie der Stumpf einer Palme geworden.“
Sā cevaṁ bhaṇati pitara- Während sie so zu ihrem Vater sprach,
Manīkaratto ca yassa sā dinnā; näherte sich Anīkaratta, dem sie versprochen war,
Upayāsi vāraṇavate, aus Vāraṇavatī;
Vāreyyamupaṭṭhite kāle. es war die verabredete Zeit für die Hochzeit.
Atha asitanicitamuduke, Da nahm Sumedhā ein Messer
Kese khaggena chindiya sumedhā; und schnitt ihr Haar ab, das schwarze, dicke und so weiche.
Pāsādaṁ pidahitvā, Sie schloss sich im Langhaus ein
Paṭhamajjhānaṁ samāpajji. und trat in die erste Vertiefung ein.
Sā ca tahiṁ samāpannā, Als sie sie erreicht hatte,
Anīkaratto ca āgato nagaraṁ; erreichte Anīkaratta die Stadt.
Pāsāde ca sumedhā, Und Sumedhā entwickelte im Langhaus
Aniccasaññaṁ subhāveti. die Wahrnehmung der Unbeständigkeit gut.
Sā ca manasi karoti, Als sie darauf den Geist richtete,
Anīkaratto ca āruhī turitaṁ; stieg Anīkaratta rasch die Stufen hinauf.
Maṇikanakabhūsitaṅgo, Die Glieder mit Edelsteinen und honiggelbem Gold geschmückt,
Katañjalī yācati sumedhaṁ. so bat er Sumedhā mit zusammengelegten Händen:
“Rajje āṇādhanamissa- „Mit dem Thron gewinnst du Befehlsgewalt, Reichtum, Herrschaft
Riyaṁ bhogā sukhā daharikāsi; und das Glück des Besitzes.
Bhuñjāhi kāmabhoge, Genieße Sinnenfreuden, solange du noch jung bist!
Kāmasukhā dullabhā loke. Sinnenfreuden sind in der Welt schwer zu finden!
Nissaṭṭhaṁ te rajjaṁ, Ich habe dich mit der Königswürde betraut –
Bhoge bhuñjassu dehi dānāni; genieße Reichtum, gib Spenden!
Mā dummanā ahosi, Sei nicht traurig;
Mātāpitaro te dukkhitā”. deine Eltern sind außer sich.“
Taṁ taṁ bhaṇati sumedhā, Sumedhā, an Sinnenfreuden kein Interesse
Kāmehi anatthikā vigatamohā; und die Täuschung ausgeräumt, sprach sogleich:
“Mā kāme abhinandi, „Finde an Sinnlichkeit kein Vergnügen!
Kāmesvādīnavaṁ passa. Sieh die Gefahr in Sinnenfreuden!
Cātuddīpo rājā, Mandhātā, der König der vier Erdteile,
Mandhātā āsi kāmabhoginamaggo; der Erste beim Genuss von Sinnenfreuden,
Atitto kālaṅkato, starb unbefriedigt,
Na cassa paripūritā icchā. seine Wünsche nicht erfüllt.
Satta ratanāni vasseyya, Und wenn die sieben Juwelen vom Himmel regneten
Vuṭṭhimā dasadisā samantena; über alle zehn Himmelsrichtungen,
Na catthi titti kāmānaṁ, gäbe es kein Sattwerden von Sinnenfreuden:
Atittāva maranti narā. Die Menschen sind unersättlich.
Asisūnūpamā kāmā, Wie ein Schlachtmesser und ein Hackklotz
kāmā sappasiropamā; sind Sinnenfreuden, wie ein Schlangenkopf.
Ukkopamā anudahanti, Sie brennen wie eine Feuersbrunst
aṭṭhikaṅkala sannibhā. und gleichen einem Skelett.
Aniccā adhuvā kāmā, Sinnenfreuden sind unbeständig und brüchig,
bahudukkhā mahāvisā; sie sind voller Leiden, ein schreckliches Gift.
Ayoguḷova santatto, Sie gleichen einer glühenden Eisenkugel,
aghamūlā dukhapphalā. sind die Wurzel des Elends, Schmerz ist ihre Frucht.
Rukkhapphalūpamā kāmā, Sinnenfreuden sind wie Baumfrüchte,
maṁsapesūpamā dukhā; wie Fleischfetzen, schmerzhaft,
Supinopamā vañcaniyā, sie täuschen dich wie ein Traum;
kāmā yācitakūpamā. Sinnenfreuden sind wie geliehene Güter.
Sattisūlūpamā kāmā, Sinnenfreuden sind wie Schwerter und Lanzen,
rogo gaṇḍo aghaṁ nighaṁ; eine Krankheit, ein Eiterherd, Elend und Mühe.
Aṅgārakāsusadisā, Sie gleichen einer Grube mit glühenden Kohlen,
aghamūlaṁ bhayaṁ vadho. sind die Wurzel von Elend, Furcht und Gemetzel.
Evaṁ bahudukkhā kāmā, So wurden Sinnenfreuden erklärt,
akkhātā antarāyikā; als Hemmnisse, so voller Leiden.
Gacchatha na me bhavagate, Bitte geh! Was mich betrifft,
vissāso atthi attano. ich vertraue einem neuen Leben nicht.
Kiṁ mama paro karissati, Was kann jemand anders für mich tun,
Attano sīsamhi ḍayhamānamhi; wenn sein eigener Kopf brennt?
Anubandhe jarāmaraṇe, Wenn dir Alter und Tod nachstellen,
Tassa ghātāya ghaṭitabbaṁ”. musst du dich einsetzen, um sie zu zerstören.“
Dvāraṁ apāpuritvānahaṁ, Sie öffnete die Tür
Mātāpitaro anīkarattañca; und sah ihre Eltern mit Anīkaratta
Disvāna chamaṁ nisinne, weinend auf dem Boden sitzen.
Rodante idamavocaṁ. Da sagte sie:
“Dīgho bālānaṁ saṁsāro, „Lang ist das Umherwandern für Toren,
Punappunañca rodataṁ; sie weinen wieder und wieder über das, was keinen bekannten Anfang hat –
Anamatagge pitu maraṇe, den Tod eines Vaters,
Bhātu vadhe attano ca vadhe. den Mord an einem Bruder oder einem selbst.
Assu thaññaṁ rudhiraṁ, Denk an das Meer von Tränen, Milch und Blut,
Saṁsāraṁ anamataggato saratha; an das Umherwandern ohne bekannten Anfang.
Sattānaṁ saṁsarataṁ, Denk an all die Knochen,
Sarāhi aṭṭhīnañca sannicayaṁ. die von den umherwandernden Wesen aufgehäuft wurden.
Sara caturodadhī, Denk an die vier Meere,
Upanīte assuthaññarudhiramhi; die mit Tränen, Milch und Blut verglichen werden.
Sara ekakappamaṭṭhīnaṁ, Denk an die Knochen, die sich in nur einem Äon
Sañcayaṁ vipulena samaṁ. so hoch auftürmen wie der Berg Vipula.
Anamatagge saṁsarato, Das Umherwandern ohne bekannten Anfang
Mahiṁ jambudīpamupanītaṁ; wird mit diesem weiten Land des Rosenapfelbaums verglichen:
Kolaṭṭhimattaguḷikā, Wenn man es in Stücke in der Größe von Brustbeerkernen aufteilt,
Mātā mātusveva nappahonti. wären es noch weniger als die Mütter unserer Mütter.
Tiṇakaṭṭhasākhāpalāsaṁ, Denk an alles Gras, alle Stängel, Zweige und Blätter,
Upanītaṁ anamataggato sara; vergleiche sie mit dem nicht bekannten Anfang:
Caturaṅgulikā ghaṭikā, Wenn man sie in vier Daumenbreit lange Stücke spalten würde,
Pitupitusveva nappahonti. wären es noch weniger als die Väter unserer Väter.
Sara kāṇakacchapaṁ pubba- Denk an die einäugige Schildkröte und das Joch mit einer Öffnung,
Samudde aparato ca yugachiddaṁ; das auf dem Meer von Ost nach West getrieben wird –
Siraṁ tassa ca paṭimukkaṁ, den Kopf durch die Öffnung stecken
Manussalābhamhi opammaṁ. ist ein Bild dafür, als Mensch geboren zu werden.
Sara rūpaṁ pheṇapiṇḍopa- Denk an die Form dieses unglücklichen Körpers,
Massa kāyakalino asārassa; der substanzlos ist wie ein Schaumklumpen.
Khandhe passa anicce, Sieh die Aggregate als unbeständig an,
Sarāhi niraye bahuvighāte. denk an die Höllen, die so voller Bedrängnis sind.
Sara kaṭasiṁ vaḍḍhente, Denk an die, die wieder und wieder
Punappunaṁ tāsu tāsu jātīsu; die Leichenfelder füllen, Leben um Leben.
Sara kumbhīlabhayāni ca, Denk an die Gefahr durch Ghariale!
Sarāhi cattāri saccāni. Denk an die vier edlen Wahrheiten!
Amatamhi vijjamāne, Wenn die Unsterblichkeit zu finden ist,
Kiṁ tava pañcakaṭukena pītena; warum solltest du die fünf bitteren Gifte trinken?
Sabbā hi kāmaratiyo, Denn alle erotischen Wonnen
Kaṭukatarā pañcakaṭukena. sind so viel bitterer als sie.
Amatamhi vijjamāne, Wenn die Unsterblichkeit zu finden ist,
Kiṁ tava kāmehi ye pariḷāhā; warum solltest du nach Sinnenfreuden brennen?
Sabbā hi kāmaratiyo, Denn alle erotischen Wonnen
Jalitā kuthitā kampitā santāpitā. brennen, kochen, wallen und sieden.
Asapattamhi samāne, Wenn es Freiheit von Feindschaft gibt,
Kiṁ tava kāmehi ye bahusapattā; warum solltest du deinen Feind, die Sinnenfreuden, wollen?
Rājaggicoraudakappiyehi, So wie Könige, Feuer, Räuber, Wasser und ungeliebte Menschen
Sādhāraṇā kāmā bahusapattā. sind auch Sinnenfreuden deine argen Feinde.
Mokkhamhi vijjamāne, Wenn man Befreiung finden kann,
Kiṁ tava kāmehi yesu vadhabandho; wozu sind dann Sinnenfreuden gut, die töten und binden?
Kāmesu hi asakāmā, Durch Sinnenfreuden erfährst du unfreiwillig
Vadhabandhadukhāni anubhonti. Schmerz, Töten und Binden.
Ādīpitā tiṇukkā, So wie eine lodernde Grasfackel
Gaṇhantaṁ dahanti neva muñcantaṁ; den verbrennt, der sie ergreift und nicht loslässt,
Ukkopamā hi kāmā, so sind Sinnenfreuden wie eine Grasfackel
Dahanti ye te na muñcanti. und verbrennen die, die nicht loslassen.
Mā appakassa hetu, Gib nicht Glück in Fülle auf
Kāmasukhassa vipulaṁ jahī sukhaṁ; für die geringfügigen Freuden der Sinne.
Mā puthulomova baḷisaṁ, Nimm nicht späteres Elend in Kauf
Gilitvā pacchā vihaññasi. wie ein Wels am Angelhaken.
Kāmaṁ kāmesu damassu, Beherrsche dich inmitten von Sinnenfreuden!
Tāva sunakhova saṅkhalābaddho; Du bist wie ein Hund, der angebunden ist:
Kāhinti khu taṁ kāmā, So wie Leichenbeseitiger, wenn sie hungrig sind, einen Hund verschlingen,
Chātā sunakhaṁva caṇḍālā. so werden Sinnenfreuden dich sicher verschlingen.
Aparimitañca dukkhaṁ, Wenn du vor Sinnenfreuden gespannt bist,
Bahūni ca cittadomanassāni; wirst du endlosen Schmerz erleiden
Anubhohisi kāmayutto, und viel seelische Bedrängnis:
Paṭinissaja addhuve kāme. Lass ab von Sinnenfreuden, sie dauern nicht an!
Ajaramhi vijjamāne, Wenn Freiheit vom Altern zu finden ist,
Kiṁ tava kāmehi yesu jarā; wozu sind dann Sinnenfreuden gut, die das Altern in sich tragen?
Maraṇabyādhigahitā, Jede Wiedergeburt an jedem Ort
Sabbā sabbattha jātiyo. ist an Tod und Krankheit gebunden.
Idamajaramidamamaraṁ, Das ist Freiheit vom Alter, Unsterblichkeit!
Idamajarāmaraṁ padamasokaṁ; Das ist Freiheit von Alter und Tod, der kummerfreie Zustand!
Asapattamasambādhaṁ, Frei von Feindschaft, unbeschränkt,
Akhalitamabhayaṁ nirupatāpaṁ. ohne Fehler, frei von Furcht und Widrigkeiten.
Adhigatamidaṁ bahūhi, Die Unsterblichkeit wurde von vielen verwirklicht.
Amataṁ ajjāpi ca labhanīyamidaṁ; Noch heute kann sie erlangt werden
Yo yoniso payuñjati, von denen, die sich gründlich einsetzen;
Na ca sakkā aghaṭamānena”. doch für die, die es nicht versuchen, ist es unmöglich.“
Evaṁ bhaṇati sumedhā, So sprach Sumedhā,
Saṅkhāragate ratiṁ alabhamānā; die sich an bedingten Dingen nicht erfreute.
Anunentī anikarattaṁ, Indem sie Anīkaratta beschwichtigte,
Kese ca chamaṁ khipi sumedhā. warf sie ihre Haare auf den Boden.
Uṭṭhāya anikaratto, Anīkaratta erhob sich,
Pañjaliko yācatassā pitaraṁ so; erhob seine zusammengelegten Hände zu ihrem Vater und bat:
“Vissajjetha sumedhaṁ, „Lasst von Sumedhā ab, sodass sie fortziehen kann!
Pabbajituṁ vimokkhasaccadassā”. Sie wird die Wahrheit der Befreiung sehen.“
Vissajjitā mātāpitūhi, Von Mutter und Vater entlassen,
pabbaji sokabhayabhītā; zog sie fort aus Furcht vor Kummer und Gefahr.
Cha abhiññā sacchikatā, Noch als Nonne in Schulung verwirklichte sie die sechs unmittelbaren Einsichten
aggaphalaṁ sikkhamānāya. und die höchste Frucht.
Acchariyamabbhutaṁ taṁ, Das Erlöschen der Prinzessin
Nibbānaṁ āsi rājakaññāya; war unglaublich und erstaunlich;
Pubbenivāsacaritaṁ, auf ihrem Sterbebett erklärte sie
Yathā byākari pacchime kāle. ihre verschiedenen früheren Leben:
“Bhagavati koṇāgamane, „Zur Zeit des Buddha Koṇāgamana
Saṅghārāmamhi navanivesamhi; waren wir drei Freundinnen,
Sakhiyo tisso janiyo, die die Gabe einer neu erbauten Unterkunft
Vihāradānaṁ adāsimha. im Kloster des Saṅgha spendeten.
Dasakkhattuṁ satakkhattuṁ, Zehnmal, hundertmal,
Dasasatakkhattuṁ satāni ca satakkhattuṁ; tausendmal, zehntausend mal
Devesu uppajjimha, wurden wir unter den Göttern wiedergeboren,
Ko pana vādo manussesu. um wie viel mehr unter den Menschen.
Devesu mahiddhikā ahumha, Wir waren mächtig unter den Göttern,
Mānusakamhi ko pana vādo; um wie viel mehr unter den Menschen!
Sattaratanassa mahesī, Ich war die Königin eines Königs mit den sieben Juwelen –
Itthiratanaṁ ahaṁ āsiṁ. ich war sein Frauen-Juwel.
So hetu so pabhavo, Das war der Grund, das war die Herkunft, das war die Wurzel,
Taṁ mūlaṁ sāva sāsane khantī; da nahmen wir das Lehrsystem an:
Taṁ paṭhamasamodhānaṁ, Die erste Begegnung gipfelte im Erlöschen
Taṁ dhammaratāya nibbānaṁ. für eine, die sich an der Lehre freut.
Evaṁ karonti ye sadda- Das sagen die, die den Worten dessen vertrauen,
Hanti vacanaṁ anomapaññassa; dessen Weisheit unerreicht ist.
Nibbindanti bhavagate, Vom Wiedergeborenwerden sind sie ernüchtert,
Nibbinditvā virajjantī”ti. und wenn sie ernüchtert sind, schwindet die Leidenschaft.“
Itthaṁ sudaṁ sumedhā therī gāthāyo abhāsitthāti. So wurden diese Strophen von der altehrwürdigen Nonne Sumedhā aufgesagt.
Mahānipāto niṭṭhito.
Samattā therīgāthāyo
Gāthāsatāni cattāri,
asīti puna cuddasa;
Theriyekuttarasatā,
sabbā tā āsavakkhayāti.
Therīgāthāpāḷi niṭṭhitā. Die Strophen der altehrwürdigen Nonnen sind zu Ende.